Eine Kreidetafel zur Hochzeit und wie aus einer Idee ein Motiv wurde.

Für zwei unserer Kreidefreunde ist heute ein ganz besonderer Tag, denn sie geben sich ein Versprechen, kurzum heute ist Hochzeit. Schau ich aus dem Fenster freue ich mich um so mehr für dieses sympathische Pärchen, ein perfekter Tag für eine Hochzeitsfeier. Lange haben die beiden an den Planungen und Hochzeitsvorbereitungen rungetüftelt um diesen Tag wirklich perfekt zu machen. Und das mit Unterstützung der ganzen Familie. Auf einem Handmademarkt hatten sie uns angesprochen und sich eine Tafel gewünscht, die im Eingang zur Hochzeitslocation die Gäste willkommen heißen sollte. Einen Spruch für das Motiv hatten sie dabei schon im Hinterkopf. Wir tauschten unsere Kontaktdaten und vereinbarten in den nächsten Tagen über die Details für die Gestaltung zu sprechen. Gesagt getan.

Normalerweise bitte ich an dieser Stelle meistens darum mir ein paar Fotos der geplanten Hochzeitsdekoration oder andere Lieblingsmotive zur Verfügung zu stellen. Das hilft immer ein Gefühl für den Stil und die gewünschte Atmosphäre zu bekommen. Doch ganz so einfach machten sie es mir dann doch nicht.

Das, was wir von Ihnen gesehen haben hat uns überzeugt. Sie machen das schon. Bitte erstellen Sie einen detaillierten Entwurf. Wir hätten gerne einen gemalten Rand.

Ich muss gestehen, das ist eigentlich ein sehr schönes Kompliment. Doch an diese neue gestalterische Freiheit muss man sich auch erst einmal gewöhnen. Jahrelang war ich es gewohnt nach Briefing zu arbeiten und gestalterische Prozesse mit dem Auftraggeber abzustimmen. „Sie machen das schon“ kam damals kurz hinter: „Genau so, nur irgendwie origineller“. Ich versuchte mich also trotzdem zu freuen. Ein guter Freund hatte vor kurzem eine sehr schöne Formulierung dafür gefunden.

Das ist der Unterschied zwischen Handwerk und Kunst. Als Handwerker setzt Du die Ideen anderer um. Als Künstler Deine.

Für diejenigen denen es schwerfällt die Problematik an der Situation nachzuvollziehen sei gesagt, dass es zahllose Möglichkeiten gibt so ein Motiv umzusetzen. Mir fallen auf Anhieb an die einhundert verschiedene Schrift- und Rahmenvarianten für so ein Hochzeitsmotiv ein. Doch wieviel Nostalgie und Schnörkel ist genehm? Und welchen Stil empfindet das Brautpaar als ansprechend. Schließlich wurde der fertigen Tafel nach dem Fest ja ein Ehrenplatz in der Wohnung zugedacht. Jemand der eher kubistisch eingerichtet ist will sich doch auch keinen Landhausstil ins Haus holen.

Mein Hauptproblem ist immer, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden nicht bloß irgendetwas abzuliefern. Sondern in der Form in der sich dieses Pärchen persönlich wiederfindet. Und zwar eben nicht nur ungefähr, sondern am Liebsten mit den Worten: Ja, das sind wir! Diese Mentalität ist also Fluch und Segen zugleich. Und während ich mich im innerlichen Zwiespalt hin und herbewege fällt mir ein, zwei verlässliche Gegenmittel gegen Unsicherheit sind: Bauchgefühl und Aufmerksamkeit! Ich lasse unser Kennenlernen noch einmal revuepassiveren und erinnere mich über welche Kreidetafeln wir uns damals unterhalten haben. Welche Gefallen fanden und welche weniger. Mir fiel wieder ein, was mir das nette Paar in Nebensätzen über ihre Einrichtung verraten hatte und beschloß mich wie immer auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Dann machte ich mich an einen ersten Entwurf.

Hochzeitstafel

Nun, nach dem ersten Kennenlernen war mir klar: Ja, dieser Spruch passt! Jetzt lag es an mir diese gehaltvollen Worte würdig zu bekleiden. Ich entschied mich dafür diesen Satz an sich in den Vordergrund zu stellen. Keine Herzchen, keine Tauben, keine Hochzeitsglocken, denn Worte mit Gewicht wirken auch so. Etwas Schnörkelei bei der Gestaltung des Rahmens konnte ich mir dann aber doch nicht verkneifen. Trotz anfänglicher Blockade ging mir die Arbeit jetzt sehr angenehm von der Hand. In nur etwas mehr als drei Stunden brachte ich den Entwurf aufs Papier, beziehungsweise auf den Fotokarton.

Kurz bevor wir uns dann trafen um den Entwurf zu besprechen wurde ich nervös. Ich bin immer nervös bevor ich eine Arbeit präsentiere. Auch noch nach all den Jahren. Lampenfieber ist übrigens auch der Grund warum ich in meinem alten Beruf als Marketingfuzzi nie auf die Bühne wollte, auch wenn ich dazu aufgefordert wurde. Ich bin halt keine Rampensau. Ich sorge lieber dafür alles schön zumachen und erfahre Belohnung darin wenn  andere sich daran erfreuen. Aber ich schweife ab, zurück zum Brautpaar. Die sind nämlich mittlerweile angekommen und werfen einen ersten Blick auf unser gemeinsames Motiv. Als ich ein erstes Strahlen in den Augen erkenne wird mir warm. Das Feedback ist kurz und eindeutig.

Keine Änderungen, alles bleibt genau so wie es ist. Können Sie das denn genau so auf die große Kreidetafel übertragen?

Aber klar, das mach ich sehr gerne. Wir vereinbarten einen Abholtermin und ich bot an für den Tag der Hochzeit die Staffelei aus Treibholz gerne zur Verfügung zu stellen. Die beiden sind ja auch wirklich sympathisch. „Wir haben leider keine Zeit mehr für einen Kaffee, wir haben noch so viel zu erledigen!“ Nun, ein typisches Hochzeitspaar halt. Also Glück auf und bis bald!

Willkommen zur Hochzeit

Ich übertrug nun also die kleine A3-Skizze möglichst eins-zu-eins auf die Maße 60×80 cm. Eigentlich wollte ich noch etwas mit Schattierungen spielen und die Verläufe der Schriftfüllung herausarbeiten, habe ich mich dann aber doch nicht getraut. Das wäre ja schließlich auch nicht mehr eins-zu-eins. Mach ich dann wohl beim nächsten Mal. Ach ja, das Brautpaar hatte mir zum Abschied versprochen ein paar Bilder von der Hochzeit zu schicken. Falls sie nach all dem Trubel noch daran denken, freue ich mich darauf, diese später noch hinzuzufügen.

Wir wünschen dem Brautpaar heute eine ganz besonders schöne Trauungszeremonie, viel Freude beim Fest und (Kreide-)Glück für die Zukunft!

Bis bald, der Kreidekollege